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Was für ein Menschenbild spricht aus Ihrer PE?“

18. Juni 2025
2 Min. Lesezeit

Im letzten Beitrag haben wir über Verantwortung in der Personalentwicklung gesprochen.

Jetzt nehmen wir eine noch grundlegendere Frage in den Blick – eine, die selten gestellt, aber ständig wirksam ist: Welches Menschenbild liegt unserer PE eigentlich zugrunde?


Implizite Bilder – starke Wirkung

Stefanie Ertel beschreibt in Kapitel 6 eindrücklich: Jedes PE-Konzept basiert auf einer Vorstellung vom Menschen. Ist er ein zu steuerndes Wesen? Ein zu förderndes? Ein Risiko? Eine Ressource?


Das Problem: Diese Bilder werden selten reflektiert – aber sie bestimmen:


  • wie wir Programme gestalten,

  • was wir als Entwicklung ansehen,

  • wann wir jemandem Entwicklung „zumuten“.



Ertel fordert: Wer PE betreibt, sollte wissen, mit welchem Menschenbild er arbeitet – und was das für seine Maßnahmen bedeutet.



Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Unternehmen plante ein Entwicklungsprogramm für „High Potentials“. Die Auswahl war datenbasiert, das Curriculum straff, der Erfolgsdruck hoch. Nach außen klang es fördernd – intern fühlte es sich für viele wie ein Auswahlverfahren unter neuem Namen an.


Die implizite Botschaft: Nur wer sich bestimmten Leistungsnormen fügt, ist entwicklungsfähig. Das Menschenbild: der funktionale, steuerbare, leistungsoptimierte Mitarbeitende.


Eine Führungskraft brachte es auf den Punkt: „Ich hatte das Gefühl, ich bin weniger Mensch – mehr Projekt.“


Später wurde das Programm neu aufgesetzt – mit Dialogformaten, Wahlmöglichkeiten, Reflexionsphasen. Die Grundidee blieb, doch das Menschenbild war ein anderes: Entwicklung als Angebot, nicht als Maßnahme. Ergebnis: mehr Beteiligung, mehr Vertrauen, mehr Wirkung.



PE braucht Haltung – nicht nur Tools

Menschenbilder zeigen sich nicht nur in Leitbildern, sondern im Alltag:


  • Dürfen Mitarbeitende „nein“ sagen zu Entwicklungsangeboten?

  • Wird Entwicklung mit Belohnung verknüpft – oder mit Wachstum?

  • Ist Lernzeit Arbeitszeit – oder Störung?



Ein reifes PE-System erkennt: Der Mensch ist mehr als die Rolle, die er erfüllt.

Und: Entwicklung ist mehr als ein Plan – sie ist ein gemeinsamer Prozess mit offenem Ausgang.


Im nächsten Beitrag gehen wir der Frage nach, wie Organisationen ethische Orientierung in PE-Prozesse einbauen können – ohne ins Moralisieren zu geraten.



Quelle: Basierend auf Kapitel 6 „Ethik“ von Stefanie Ertel im Handbuch Personalentwicklung (2022).



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