Digitale Transformation verlangt mehr als E-Learning – warum PE jetzt Architekturarbeit ist
Im letzten Beitrag haben wir gesehen, warum klassische Change-Modelle scheitern.
Heute gehen wir einen Schritt weiter: Wie verändert die digitale Transformation unsere Erwartungen an Personalentwicklung? Und warum reicht es nicht, einfach ein neues LMS einzuführen?

Digitalisierung ist kein IT-Projekt – sondern ein Kulturbruch
Peter Mudra beschreibt die digitale Transformation als fundamentalen Veränderungsprozess, der nicht nur Tools betrifft, sondern Haltungen, Lernformen, Entscheidungslogiken. Wenn Personalentwicklung darauf mit „mehr Online-Trainings“ antwortet, wird sie ihrer Rolle nicht gerecht.
Denn Digitalisierung fordert Organisationen in ihrer Grundstruktur heraus:
Wer entscheidet was?
Wer hat Zugang zu Wissen?
Was bedeutet Führung in Echtzeit?
HR kann diese Fragen nicht beantworten – aber sie kann helfen, sie bewusst zu stellen. Und Strukturen schaffen, in denen Neues ausprobiert, Scheitern erlaubt und Lernen in Echtzeit möglich wird.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein internationales Handelsunternehmen wollte „digitale PE“. Also wurden Videoformate produziert, eine Lernplattform implementiert, Webinare ausgerollt. Doch die Nutzung blieb verhalten. Warum?
Weil die Organisation keinen kulturellen Raum für selbstgesteuertes Lernen geschaffen hatte. Die Führungskräfte lebten alte Kontrollmuster, Lernzeit galt als produktivitätsfern, und Feedback gab es nur top-down. Die Plattform war gut – aber der Kontext passte nicht.
Die Lösung kam nicht technisch, sondern architektonisch: Die PE-Abteilung begann, mit Führungskräften Lernräume zu gestalten – physisch wie digital. Sie verknüpfte Lernformate mit echten Herausforderungen aus dem Alltag. Erst da entstand Wirkung.
PE als Architekturarbeit
Mudra fordert eine neue Haltung in der PE: weg vom Maßnahmendenken, hin zur Strukturverantwortung. HR wird zum Raumgestalter:
Wer darf lernen – und wann?
Welche kulturellen Normen fördern Lernen – und welche blockieren es?
Wie kann Lernen eingebettet werden in den Alltag – nicht an ihm vorbeigeplant?
Diese Fragen sind nicht technisch, sondern strategisch. Und sie machen PE zu einem Teil der organisationalen Infrastruktur – nicht nur des Trainingsangebots.
Im nächsten Beitrag werfen wir einen Blick auf ein zentrales Konzept von Mudra: Konstruktionserweiterung – und was es mit echter Veränderung zu tun hat.
Quelle: Basierend auf Kapitel 2 „Personalentwicklung als qualitatives Personalveränderungsmanagement“ von Prof. Dr. Peter Mudra im Handbuch Personalentwicklung (2022).



